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Season 2 Episode 3: 24. Oktober, 20h
Seminartag: 25. Oktober, 18h

Making the black box speak

Towards a renegade aesthetics of resolution




Information wird zunehmend verschleiert und manipuliert und so der Allgemeinheit entzogen. Damit erzeugt die Logik der Black Box neue Machtungleichgewichte. Informationsasymmetrien* erweisen sich als probates Mittel, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen, Risiken auszulagern und Einflusssphären zu erweitern.

Der Technokapitalismus stürzt die repräsentative Demokratie in eine tiefe Krise. Denn er schränkt politische und ökonomische Handlungspotentiale nicht nur ein, er gebiert neue Methoden der Ausbeutung und Diskriminierung. Mit der Verlagerung von repräsentativen zu performativen Manifestationen von Macht wird eine gesellschaftliche Realität erzeugt, in der soziale Beziehungen und Klassen umgestaltet werden.

Der Zugang zur Black Box mittels direkter Aktion und Kritik ist versperrt – die Black Box unterbricht den Fluss der Information nicht nur, sie operiert prinzipiell verdeckt und diskret. Um gegen diese Intransparenz mobil zu machen, fokussiert Making the black box speak auf einen englischen Begriff: Resolution verweist auf das, was wir sehen und erkennen und somit (neben Bildauflösung) auf Wissensproduktion, Entscheidungsfindung und – wie im Deutschen – gemeinsamen Beschluss. Der aesthetics of resolution geht es daher um eine Ökologie der Diversität, in der alle ‚Körper‘ miteinander agieren können. Gleichzeitig zeigt sie, wie potentiell gemeinsame Vermögen prognostiziert, beschränkt und ausgebeutet werden.

Um die Black Box „zum Sprechen zu bringen“, bedarf es aber einer weiteren strategischen Ausrichtung: Der Allianz mit der prekären Figur des renegade – einer Person, die sich etwa als WhistleblowerIn oder AktivistIn vom System abwendet und häufig als VerräterIn gebrandmarkt wird. Ihre Enthüllungen stellen aber eine heute essentielle Form von Aufklärung dar. Gerade in ihrer Ambivalenz und Marginalität verkörpert die renegade die revolutionäre Figur unserer Zeit.

Was heute auf dem Spiel steht – und sich in uns einschreibt – betrifft uns geistig wie körperlich, affektiv wie sozial, materiell wie performativ. Making the black box speak untersucht daher, wie wir gegen Informationsasymmetrien vorgehen können. Und demonstriert, wie in spezifischen Situationen der semantische Reichtum von resolution in Allianz mit einem renegade activism Wissen und Handlungspotentiale herstellen kann.

Making the black box speak erforscht neuartige Vermögen von Widerstand und Solidarität in einer vom Akzidentiellen geprägten Zeit. Denn es geht darum, etablierte Formen von Kritik – gerade auch in der Kunst – hinter uns zu lassen und uns auf neue Strategien der Auflehnung einzuschwören.


* Unter Informationsasymmetrie versteht man unter anderem die Ausbeutung von Informationsdefiziten, die Verbreitung von Fehlinformationen, Vertuschung, Verschleierung und Betrug.


BB18, animation by Sylvia Eckermann


Mitwirkende

24. 10. 8pm


Haim Bodek, Sylvia Eckermann, Aldo Giannotti, Florentina Holzinger, Volkmar Klien, Gerald Nestler, Peng! Collective, Denis “Jaromil” Roio, Soulcat E-Phife, Technopolitics research group, UBERMORGEN.

Data body: Jon Eckermann

 

Special Guest Appearance:

Frank Pasquale

 

Special Project: 24.–25.10.18
The Glass Room Experience link
Tactical Technology Collective, Berlin.
Erstmals in Österreich wird The Glass Room und die Data Detox Bar im Rahmen einer Ausstellung und 2 Workshops am 25.10.18 (rsvp) präsentiert. Mit: Alistair Alexander


25. 10. / Day two

TBA

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