Episode 2 »


Season 2 Episode 1: 20. Oktober, 20h
Seminartag: 21. Oktober, 18h

Supra-Citizenship




Supra-Citizenship beleuchtet Migration aus einem Blickwinkel, der staatliche Akteure, supranationale Körperschaften, digitale Plattformen und die Milliarden von Menschen, die auf unserem Planeten in Bewegung geraten sind, auf neue Weise zusammenführt.

Staatsbürgerschaft (citizenship) kann heute nicht mehr exklusiv als Vertrag zwischen Subjekt und Nationalstaat aufrechterhalten werden. Wie brüchig er ist, beweist die steigende Zahl an Menschen, die gezwungen sind, aus ihren von Kriegen, Naturkatastrophen und wirtschaftlichen Konflikten verwüsteten Regionen auszuwandern. Gleichzeitig – wie Benjamin Bratton, der Autor von The Stack: On Software and Sovereignty (2016), betont – treten neue globale Akteure auf, die sich Formen des Bürgerrechts zu Nutze machen. Die geopolitische Landschaft, die gerade im Entstehen ist, wird von digitalen Plattformen bevölkert, die über ihre NutzerInnen herrschen und zunehmend souverän agieren, während Nationalstaaten im Begriff sind, wie Plattformen zu funktionieren, die ihre StaatsbürgerInnen als Kunden behandeln und ihnen Dienstleistungen anbieten.

Die Vorstellung von Staatsbürgerschaft als einem in lokaler Zugehörigkeit, Bürgerbeteiligung und verantwortungsvoller Haushaltspolitik verankerten Prinzip ist im Begriff zu zerfallen. Einerseits wird Staatsbürgerschaft finanzialisiert, um Kapital und Investitionen anzulocken – und gleichzeitig unterminieren Steuererleichterungen, Offshoring oder e-Residencies für Unternehmen die zentrale Kategorie des steuerlichen Wohnsitzes. Andererseits fragmentiert der Begriff in unterschiedliche Formen digitaler Zugehörigkeit und Mitwirkung, wie etwa in Online-Communities.

In einer durch steten Wandel und komplexe technologische und soziale Beziehungen gekennzeichneten Welt erscheint es uns als essentiell, loszulassen, was in dieser Realität seinen Zweck nicht mehr erfüllt – ohne dabei alles über Bord zu werfen. Supra-Citizenship integriert daher die Erfahrung und das Wissen etablierter institutioneller Organisationsformen (wie sie etwa staatliche und überstaatliche Mechanismen anbieten) mit den Ressourcen und Möglichkeiten technologischer Plattformen und einem für das 21. Jahrhundert aktualisierten Verständnis der Menschenrechte.

Supra-Citizenship mobilisiert somit eine vernetzte Vision von Bürgerschaft, die das Recht jedes Menschen sichert, sich in einer gemeinsamen Welt einzurichten.



Mitwirkende

20. 10. 20h


Domingo Castillo, Femke Herregraven, Victoria Ivanova, Aslak Aamot Kjærulff, Bogna Konior, Jonas Lund, Suhail Malik,[NAME], Jamilah Sabur, Axel Stockburger, Tirdad Zolghadr, Natalia Zuluaga.


21. 10. / Day two

Workshops (rsvp), Vorträge, Diskussionen, Performances.

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